Osthessen im Herbst 2026

Mit ein paar Wochenend- und Nachtschichten schaffe ich es, mir fünf Tage Anfang Oktober freizuhalten. Die Wettervorhersage verspricht einen goldenen Herbst. Auf eine längere Anfahrt habe ich keine Lust. Seltsamerweise haben die ICE derzeit keine Fahrradmitnahme bis Wiesbaden, sodass ein Ausflug Richtung rheinhessische Weinberge mit Umstiegen verbunden wäre. Aber da wäre in Osthessen noch Steinau an der Straße, die Vogelsberg-Vulkanregion und Fritzlar offen, und nach Fulda komme ich im Moment gut mit der Bahn. Rückfahrt dann bis Erfurt. Plan fertig!

Meine tatsächliche Reiseroute ist hier dargestellt. Die gelben Punkte zeigen meine Übernachtungsorte an. Wie man sieht, bin ich weder nach Fritzlar noch nach Erfurt gekommen ;-)

Montag

Um 6:42 Uhr in den Zug, um 8:43 Uhr in Fulda, kann losgehen! Eigentlich wollte ich in Steinau übernachten, aber da finde ich online keine Hotels, also Übernachtung in Schlüchtern nebenan. Im Moment sieht das Wetter aus dem Zugfenster ganz schön nebelig aus.

Zum Glück weiß das Navi den Weg. Nebel ist kein Freund von Radfahrern mit Brille ;-)

Mein erstes Ziel ist Schloss Fasanerie, ungefähr 7 km ab Fulda Hauptbahnhof. Der sich lösende Nebel erlaubt schicke Fotos!

Die hessischen Radwege sind toll! Prima geteert, nahezu kein Autoverkehr, und gerne mal 20 % Steigung - genau das Richtige :-D

Da unter dem Nebel muss Fulda liegen. Hier auf dem Heidküppel (615 m) ist es schön und sonnig.

Zur Linken die Ebersburg (auf die ich natürlich rauf fahre), zur Rechten die Wasserkuppe. Da will ich heute nicht hin, mein Ziel diesmal ist eine Kuppe mit Bier, nicht mit Wasser ;-)

Und zwar der Kreuzberg (928 m) mit seiner Klosterbrauerei! Das Bier ist super, aber die Haxe wurde eher im Ofen getrocknet als gebraten, auweia...

Ab Wildflecken gibts dann 20 km Bahntrassenradweg "Rhönexpress". Goldener Herbst, so hatte ich mir das vorgestellt :-)

Ein Abstecher zum ausnehmend prächtigen Staatsbad Bad Brückenau ist auch drin!

Nach einem Hügelchen über Sterbfritz (Warum heißt das Dorf so???) bin ich in Schlüchtern, meinem Nachtquartier. Der Ort ist unspektakulär, hat aber einen tollen Italiener, der Pulpo auf der Tageskarte hat :-D

108 km und 1526 Höhenmeter, max. Höhe 873 m, heiter, 18 Grad, leichter West-Südwestwind.

Dienstag

Heute ist zuerst Steinau und dann die Vogelsberg-Region dran, ein vulkanisches Mittelgebirge und die größte Basaltfläche Europas. Ich möchte die Gipfel mitnehmen und dann abends in Schlitz unterkommen, weil mir das beim letzten Mal sehr gut gefallen hat.

Die hessischen Radwege und die gepflegte Landschaft sind einfach toll! Als radelte man durch einen riesengroßen Landschaftspark.

Steinau an der Straße (gemeint ist eine alte Römerstraße) war die Heimat der Gebrüder Grimm, und hat einen authentischen mittelalterlichen Ortskern. Und einen Brunnen mit Froschkönig ;-)

Viel Wasser ist in der Kinzigtalsperre nicht, wie man am trockengefallenen Anleger sieht. Dafür ist es ein Rückzugsort für viele Vögel.

Kunst am Radweg in Birstein :-D

Zu Mittag bin ich in Hartmannshain, wo meine Route den höchsten Punkt der Vulkanbahn kreuzt. Dort gibt es ein hervorragendes Schnitzel, überbacken mit Handkäs und Musik, zusammen mit Frankfurter Grüner Sauce!

Das Schnitzel sagt, ich muss jetzt auch noch die Herchenhainer Höhe (733 m) hinauf!

Die Nougatknödel zum Dessert wollen, dass ich auch noch den Taufstein (773 m) mitnehme, den höchsten Punkt vom Vogelsberg-Vulkangebiet. Leider ist der Aussichtsturm gesperrt.

Damit ich Appetit für das Abendessen bekomme, fahre ich dann auch noch zur Burg Ulrichstein hinauf ;-)

Landschaft und Wetter sind prima, Verkehr auf den als Radroute ausgeschilderten Kreisstraßen praktisch nicht vorhanden.

Hier ist Schlitz, mit einer tollen Altstadt, der ältesten Destille Deutschlands, einem erst vor 5 Wochen eröffneten Biergarten der Auerhahn-Brauerei und bestem Biergartenwetter :-)

Ich war schon einmal in Schlitz und verkoste strategisch - diesmal sind Mirabelle und Streuobstwiese dran!

117 km und 1246 Höhenmeter, max. Höhe 783 m, sonnig, etwa 20 Grad, schwacher Wind.

Mittwoch

Eigentlich wollte ich heute Abend in Fritzlar übernachten, das ebenfalls eine tolle Altstadt haben soll. Aber dort gibts nur ein Motel und ein Hotel mit ziemlich abschreckenden Rezensionen. Darum beschließe ich beim Frühstück, dass ich lieber nach Homberg (Efze) fahre. Auf dem Weg dorthin möchte ich Burg Herzberg und Ziegenhain mitnehmen, das auf dem Stadtplan einen interessanten Grundriss (Wasserfestung) hat.

Der Tag startet wieder mit dickem Nebel, dem sich auch wieder durch Bergauffahren entkommen lässt.

Die Burg Herzberg hat zwar Mittwoch Ruhetag, aber ich bin eh vor allem der Höhenmeter wegen hier hinauf ;-)

Danach sind 40 km Bahntrassenradweg "Rotkäppchenland" dran, der mit kaum Gefälle wieder durch eine parkähnliche Landschaft führt. Leider ohne offene Einkehren -- mein Mittagessen hole ich mir in einem Pizzeria-Imbiss.

Ziegenhain ist eine riesengroße ehemalige Wasserfestung, von der nur noch die Wassergräben und eine JVA erhalten sind, daher der Stacheldraht ;-)

Damit es nicht so langweilig wird, geht es danach über die Hügel weiter. Die Aufschrift am Turm sagt "Mittelalterlicher Wachturm am Spieß" -- Schwein am Spieß wäre mir lieber ;-)

Hier kommt mein Übernachtungsort, Homberg (Efze). Ich bin hier zufällig gelandet, weil es hier ein Hotel in der richtigen Richtung und Entfernung für mich gab, und bin sehr positiv überrascht!

Der mittelalterliche Stadtkern ist komplett erhalten. Die Kamera habe ich gerade gehalten: Die Häuser neigen sich sowohl zur Seite als auch nach vorn.

Ein Preis für das unpraktischste Design geht an den Handwerker, der den Lichtschalter fürs Bad hinter der Schiebetür fürs Bad platziert hat ;-)

Weil es morgen regnen soll, steige ich nach dem Abendessen noch den Schlossberg hinauf. Osthessen ist schön :-)

116 km und 1323 Höhenmeter, max. Höhe 497 m, heiter, etwa 20 Grad, leichter bis mäßiger Wind.

Donnerstag

Der Blick ins Regenradar ist verheerend, und die Ankündigung für morgen nicht besser. Darum beschließe ich, ins Fuldatal hinüberzufahren, dann die bekannte Strecke über Waldhessen und Werratal bis Eisenach durchzuziehen, und dort den Zug nach Hause zu nehmen.

Blick aus der Hoteltür: Die Wettervorhersage hatte recht, es gießt in Strömen.

Die riesengroße, elegante Fuldabrücke bei Morschen ist auch im Regen eindrucksvoll!

Rotenburg an der Fulda -- regnet immer noch. Ich muss mal hierher, wenn es schön ist.

Noch einen Huckel in Waldhessen nehmen, um vom Fulda- ins Werratal zu kommen -- schüttet noch immer ohne Pause.

Das verregnete Thüringen erreicht!

Der Kalimandscharo ist weithin sichtbar. Auch bei Regen ;-)

Weil es keine offenen Einkehren gibt, fahre ich einfach den Werra-Radweg immer weiter. In Thüringen leider unbefestigt, sodass ich im Regen ganz schön schlammig werde.

Kurz nach 13 Uhr erreiche ich den Eisenacher Hbf und hole mir erst einmal ein paar belegte Brötchen zum Mittagessen. Es hat tatsächlich 100 km durchgeregnet - sowas hatte ich noch auf keiner Tour ;-)

98,8 km und 714 Höhenmeter, max. Höhe 356 m, Dauerregen, 11 Grad, leichter Nordwestwind.

Insgesamt war ich inklusive der Fahrten von und zum Bahnhof 458 km und 4800 Höhenmeter unterwegs. Die ersten drei Tage hatte ich tolles (Biergarten-)Wetter fast ohne Wind -- der Temperatursturz mit Dauerregen kam erst am Donnerstag. Insofern habe ich aus dem Herbst offenbar das Beste gemacht :-)

Hessen war mal wieder sehr schön. Wobei ich so langsam das Problem habe, dass ich mich hier ganz gut auskenne und die interessantesten Ziele längst abgeradelt habe -- sonst wäre ich nicht auf die Idee gekommen, nach Ziegenhain zu fahren oder in Schlüchtern zu übernachten, sondern hätte mir hier eher das fabelhafte Büdingen gesucht. Meine Highlights waren Schlitz und Homberg (Efze) sowie die Vogelsberg-Region, und der parkähnliche Eindruck von den gepflegten Bahntrassenradwegen aus.

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