Es ist ein bisschen kompliziert, Urlaub zu nehmen, wenn sich die Arbeit türmt. Aber 4 Tage bekomme ich doch zusammengekratzt. Anlass ist ein Treffen mit Freunden am Samstag in Aalen. Auf dem Weg dorthin möchte ich mir gern das Nördlinger Ries anschauen, weil ich bisher noch nicht die Zeit für einen Schlenker so weit südlich von Nürnberg gefunden habe. Außerdem möchte ich so weit möglich bekannte Strecken meiden. Das ist mittlerweile in Franken eine kleine Herausforderung für mich. Und ich habe noch Gerichte auf meiner To-Eat-Liste: Bamberger Zwiebel, fränkische Schlachtschüssel und in Schwaben die Sauren Kutteln ;-)
Meine Reiseroute ist hier dargestellt. Die gelben Punkte
zeigen meine Übernachtungsorte an. Bei Aalen war ich zwei Nächte.
Um 10 steige ich in den Zug nach Erlangen. Die Bahn hat mal wieder "operative Herausforderungen": Signalstörung und Vandalismusschaden an der Strecke, die vorherigen Züge ausgefallen, meiner überfüllt, aber ich komme mit einer halben Stunde Verspätung in Erlangen an.
Vom Bahnsteig zu Kitzmanns 500m entfernter Brauschänke, "Karte brauche ich
nicht, ich möchte ein Schäufela und ein Helles!"
Schon 15 Minuten nach meiner Ankunft stürze ich mich auf einen vollen Teller. Erlangen gefällt mir! :-)
"Können Sie auch Apfelküchle?" -- "Sogar sehr gut!" Stimmt :-)
Irgendwann reiße ich ich los. Ich möchte heute in Dietenhofen
übernachten, 15km vor Ansbach. Bald schon überquere ich den Main-Donau-Kanal. Kein einziges Schiff heute zu
sehen. Möglicherweise ist die Baustelle der Schleuse Kriegenbrunn wieder dafür verantwortlich.
Cadolzburg mit dem charakteristischen Turm erkennt man schon von weitem.
Der Eingang zur Burg ist allerdings bewacht. Die Miez stört offenbar
nicht, dass es hinter der Mauer gut 50m senkrecht abwärts geht ;-)
Hinter Cadolzburg führt die alte Hochstraße bis Kirchfarnbach
über den Grat der Dillenberghöhe.
Hachja, Franken! Schöne Straßen, aufgelockerte, schöne
Landschaften... Bin sehr zufrieden mit meinem Tourstart!
Das kulinarische Highlight des Abends ist dann der phantastische Haselnussbrand in
Dietenhofen. An sonsten ist die Küche unerwartet langweilig. Ich hatte noch die Schäufela-Sticks mit Senfschaum
vom letzten mal vor Augen, als ich mir die Unterkunft gebucht habe ;-)
46km und 400 Höhenmeter, 11 Grad, sonnig.
Der Tag startet etwas diesig, mit Temperaturen knapp über 0 Grad aber
sonnig. Heute möchte ich in Nördlingen übernachten und auf dem Weg da hin den Hesselberg mitnehmen.
Wenn ich schon in der Nähe bin, kann ich auch über
Wolframs-Eschbach fahren. Schon von weitem glänzen die bunt glasierten Dachziegel vom Kirchturm. Leider eindeutig zu
früh zum Mittagessen -- in der Alten Vogtei habe ich mal ganz hervorragend gegessen.
Zwei Dörfer weiter folgt Ombau, kleinste Stadt Mittelfrankens, am Zuleiter vom Altmühlsee. Landschaft ist top! Wer sieht auf dem Bild den Storch? ;-)
Damit ich nicht die ganze Zeit Gegenwind habe, nehme ich in Richtung
Hesselberg ein paar Kilometer Waldweg.
Vor den Anstieg haben die Götter ein Bier gesetzt, und ein Mittagessen. Den
Brauereigasthof in Gerolfingen kann ich empfehlen, es ist sehr lecker und für jemanden, der die Leipziger Preise
gewohnt ist, praktisch geschenkt ;-)
Der Hesselberg ist der höchste Berg Mittelfrankens. Das sind zwar nur 689,4 m
ü. NHN, aber da alles andere wesentlich niedriger ist, ist die Aussicht sehr schick. Anstrengend ist die Auffahr auch
nicht, es gibt eine bequeme Straße.
Nach dem Hesselberg möchte ich mal durch Wassertrüdingen. Da vorne
links es schon in Sicht. Habe mir allerdings mehr davon versprochen und fahre nach einem kurzen Blick auf das Schloss
(Seniorenstift?) Richtung Oettingen weiter.
Oettingen ist ganz hübsch, aber ich bin schon durch viele hübsche
Kleinstädte gekommen.
Was an Oettingen tatsächlich beeindruckt, sind die vielen, vielen
Störche im Stadtgebiet! Das Geklapper, die dicht über die Dächer dahingleitenden Vögel, toll! Billiges
Bier zieht ja Schnecken an, also haben die Störche hier bestimmt viel zu fressen ;-)
Kurz vor Nördlingen erschrecke ich noch eine Herde Rehe. Das
Nördlinger Ries ist ein 14 Mio. Jahre alter Meteoritenkrater, und beeindruckt mich sehr. Es ist flach wie eine
Bratpfanne, hat 20km Durchmesser, und von fast überall her sieht man die Kraterränder.
Nördlingen selber hat eine ganz hübsche Altstadt, aber das eigentlich
Herausragende für mich sind die vielen ordentlichen Restaurants. Da fällt die Wahl nicht leicht. Mit Kleibls bin
ich sehr zufrieden, der Zwiebelrostbraten ist ganz große Klasse!
125km und 1200 Höhenmeter, 12 Grad, sonnig, leichter Gegenwind.
Heute etwas
diesig und wieder morgendliche Temperaturen knapp über 0. Bis Abends möchte ich in Aalen angekommen sein, weil ich morgen eine Verabredung habe, aber der direkte Weg ist mir definitiv zu kurz.
Ich setze mich mal auf mein Rad. Bald schon nähere ich mich dem Kraterrand.
Mein erstes Tagesziel ist der Impf bei Bopfingen. Das ist eine 668m hohe
Erhebung am Kraterrand, ein frühkeltischer Fürstensitz und eine phantastische Aussicht über das Ries. Ein
Ideechen weniger morgendlicher Dunst wäre nett ;-)
Nach Bopfingen hinunter, eine grobschotterige 15%-Steigung wieder hinauf,
quer über die Landebahn vom Flugplatz und schon ist man auf 650m Höhe auf den Hochplateaus der Schwäbischen
Alb.
Das mit der Landebahn war kein Scherz ;-)
In Neresheim unterhalb eines Barockklosters gibts Mittagessen. Ich bin in Schwaben,
die Spätzle hat die "Krone" selbstgemacht. Auf mein "Lecker, hier kann man kochen" schallte es "Frau! Hier kann Frau
kochen!" aus der Küche -- mir gefällts hier sehr :-)
Irgendwie komme ich kilometertechnisch heute ein bisschen kurz. Ich
beschließe einen Abstecher nach Süden bis Giengen an der Brenz hinunter. Von da aus brauche ich dann nur Brenz
und Kocher bis Aalen folgen.
Die spinnen, die Schwaben. Die Radwegbeschilderung führt immer wieder von den
schönen Feldwegen weg zum potthässlichen Radweg an der Bundesstraße. Erst hinter Heidenheim wird es wieder
schön. Ich komme da auch bald an einer Füllung für mein Motivationsloch vorbei ;-)
Da unten ist Aalen! Mein Hotel ist in Röthardt, ein Stückchen
oberhalb der Stadt und phantastisch ruhig gelegen.
Ein Apfel! Was ist aus der schönen Tradition geworden, ein Täfelchen
Schokolade als Betthupfel aufs Kopfkissen zu legen? Ich bin doch nicht das Schneewittchen ;-)
Aus lauter Entsetzen über den Apfel fahre ich noch mal nach Aalen hinunter und
gehe in die Bierhalle, ein Gegengift bestellen. Die selbstgemachten Maultaschen sind der Hammer! Das Ambiente auch.
112km und 1400 Höhenmeter, 14 Grad, sonnig.
Heute mit Freunden unterwegs. Erstes Ziel: Das Auerochsengehege. Man versucht
hier, aus Haustierrassen, in die Auerochsen eingekreuzt wurden, die ausgestorbenen Auerochsen wieder
zurückzuzüchten. Zumindest haben sie die Haare schön!
Nächster Halt: Kocherursprung. Das ist ein kleines Tal voller großer
Quelltöpfe, aus der sich Sturzbäche ergießen und zur Kocher vereinigen. Sehr spannend, hätte damit
wirklich nicht gerechnet.
Freunde mit Ortskenntnis kennen die schönsten Einkehren! Das Wetter ist auch
wieder phantastisch, ideal für einen Biergartenbesuch :-)
Aussichtsturm Aalbäumle, Blick über Aalen. Mein Quartier liegt in
dem kleinen Dorf unterhalb des Fernsehturms Mitte-rechts. Aalen gefällt mir sehr! Und wer hätte gedacht, dass
Anfang März so herrliches Wetter ist?
Zuletzt noch ein Abstecher nach Aalen hinein. Über der Uhr im
Rathausturm schaut der Spion von Aalen heraus, der der Sage nach durch seine überragende Einfältigkeit Aalen vor
der Zerstörung durch kaiserliche Truppen bewahrt hat.
Highlight des Abends: Kutteln! Ich habe noch nie die Gelegenheit gehabt,
Rinderpansen zu probieren. Schmeckt wirklich lecker! Auch wenn die Mama vom Koch und Juniorchef erzählt, dass sie das
nicht essen würde, weil sie weiß, wie's vom Metzger kommt ;-)
50km und 1000 Höhenmeter, 14 Grad, sonnig.
Heute morgen wieder diesig und 5 Grad, aber die Sonne scheint und es wird
bestimmt wie in den letzten Tagen auch bald wärmer. Ich überlege, ob ich es bei dem schönen Wetter bis
Neustadt an der Aisch schaffen würde. Das wären 130km und reichlich Höhenmeter.
Wenn ich mir den Baustil so anschaue: Bin ich schon wieder aus Schwaben
heraus und in Franken? ;-)
Dinkelsbühl. Hier war ich schon mal zum Weihnachtsmarkt. Die
mittelalterliche Altstadt gefällt mir auch im Frühling sehr!
Auch in Dinkelsbühl sind die Störche allgegenwärtig :-)
Zu Mittag gibts Pfefferbäckchen in einem Dorf mit dem unwahrscheinlichen Namen
"Wehlmäusel". Der Gasthof ist brechend voller Einheimischer, die aus dem weiten Umkreis kommen. Offenbar habe ich eine
gute Adresse erwischt :-)
Sachsen sind, ich meine ist, überall? :-)
An einem Schild "Unsere Backstube hat frisch gebacken!" lege ich direkt eine
Vollbremsung hin. Das Gasthaus "Eisenbahn" bei Flachslanden hat bei der Leserwertung von Infranken.de den ersten Platz
bekommen. Ich würde das voll bestätigen ;-)
Ein kleiner Abstecher über Schloss Virnsberg ist auch noch drin, obwohl
ich mich langsam sputen muss, um Neustadt noch vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Aber hier war ich noch nicht. Das
Schloss verbreitet einen morbiden Charme, und ist weithin sichtbar.
Irgendwo hinter dem Zenntal. Mir gefällt die Gegend hier wirklich
sehr!
Nach 130km erreiche ich Neustadt an der Aisch, und frage direkt in der "Sonne", ob
man in einer Stunde einen Platz für mich hat. Ich war schon drei Mal in Neustadt, weil mir die Stadt gefällt, es
ein sehr schönes Hotel gibt, und die "Sonne" phantastische Karpfen macht.
Heute probiere ich das Pfefferkarpfenfilet. Mit extraknuspriger Schwanzflosse und
handwarmem fränkischen Kartoffelsalat, toll! Heute ist Wahl-Abend und das Lokal ist voll. Mit an meinem Tisch sitzt
Lokalprominenz und gratuliert vorbeikommenden Politikern, oder auch nicht ;-)
131km und 1350 Höhenmeter, 11 Grad, sonnig.
Störche beim Frühstück im Aischgrund. Dieses Jahr (noch?)
nicht allzu viele, im Nördlinger Ries habe ich sehr viel mehr von ihnen gesehen. Mein Zug nach Hause geht um 14:40 ab
Bamberg. Das reicht locker für einen schönen (nicht schnellen) Weg und ein Mittagessen ;-)
Nach einer halben Stunde habe ich darum dann auch schon genug von "flach
durch den Aischgrund" und wähle eine abgelegene Strecke mit mehr Höhenmetern. Am Barockschloss Weissenstein bei
Pommersfelden bin ich letztes Jahr schon vorbei gekommen.
Tolle Gegend, tolles Wetter! Zu schade, dass meine 4 Tage Urlaub schon
aufgebraucht sind, ich wäre gern länger geblieben ;-)
Diesmal habe ich sogar Zeit, über die Altenburg oberhalb der Stadt zu
fahren, auch wenn ich von Stegaurach aus den Weg ein bisschen suchen muss. Die Aussicht von da oben toll! :-)
Dieses Bild auf Bamberg ist weiter unten entstanden, da hier weniger
Bäume die Sicht versperren.
Mein Zeitmanagement funktioniert -- ich habe anderthalb Stunden, bevor mein Zug
kommt. Weil das Sternla Montags Ruhetag hat, teste ich heute Rotbier und Schäufela mit Wirsing im Schreiners - alles
ganz genau wie erhofft, bin sehr zufrieden :-)
73km und 600 Höhenmeter, 15 Grad, sonnig.
Überraschend war mein Zug pünktlich. Das war schon ganz lange nicht mehr so... Zuhause standen dann 570km und 6000 Höhenmeter auf meinem Tacho. Für 4 Tage Urlaub nicht schlecht. Franken geht im Frühjahr auch immer. Und mit dem Wetter hatte ich sehr viel Gück dieses Jahr - die ganze Zeit Sonne. Wäre ich nicht so faul gewesen, hätte ich ab Mittag jeweils von meiner Thermohose in eine dünnere Hose wechseln können, aber die lag unten im Gepäck.
Ich hatte mir die Tour so ausgesucht, dass ich möglichst wenig schon einmal gefahrene Strecke wiederhole, etwas Neues sehe, aber auch mit Bamberg, Neustadt, Dinkelsbühl und Wolframs-Eschbach bekannte Highlights dabei hatte. Um von Highlights zu sprechen: Das Nördlinger Ries, der Hesselberg und der Ipf waren große Klasse! Nördlingen und Aalen sind vom Stadtbild her recht hübsch, aber hier waren eher die tollen Einkehren das Highlight. Kutteln würde ich wieder essen ;-)