Die Arbeit brummt, aber mir verfallen 10 Urlaubstage vom letzten Jahr, wenn ich die jetzt nicht nehme. Außerdem möchte ich es mit meinen mittlerweile 50 Lenzen nochmal wissen. Darum beschließe ich, es nochmal auf den Monte Grappa zu versuchen, an dem ich 2024 wegen Dauerregen gescheitert war. Warum will ich da überhaupt hin? Siehe diese Befahrung von Contador auf YouTube -- allerdings werde ich das mit dem Reise-MTB und vollem Marschgepäck ;-)
Es ist ein bisschen schwierig, Anfang August mitten in der Reisezeit Fahrradstellplätze im ICE zu bekommen. Ich ergattere einen Zug am Mittwoch früh nach München und einen weiteren am übernächsten Freitag ab Salzburg und buche beide mit Stornierungsoption. Das Wetter in den Alpen ist derzeit merkwürdig: Es ist mit 34 Grad in Innsbruck oder 37 in Trient in den Alpen heißer als am Mittelmeer oder in Deutschland, und scheint auch gerade zu kippen. Bei den Temperaturen sind Gewitter in den Alpen nicht witzig -- ich werde vorsichtig sein. Ich suche mir eine Route, die ein paar noch nicht von mir befahrene Pässe (Fernpass, Jaufenpass, Penser Joch, Asiago-Hochebene) sowie ein paar bekannte, aber schöne (Timmelsjoch, Passo Rolle, Großglockner-Straße) enthält und meine Übernachtungen auf meine Lieblingsorte (Trient, Bassano) fallen. Letzten Endes wird das sowieso immer anders laufen, als man denkt, daher die Stornierungsoption für die Bahn.
Meine tatsächliche Reiseroute ist hier dargestellt. Die gelben Punkte zeigen meine Übernachtungsorte an. Wie man sieht, bin ich tatsächlich nicht in Salzburg angekommen, habe dafür aber Feltre -- ebenfalls einen Lieblingsort von mir -- mit einbauen können ;-)
Ich muss um kurz nach 4 aus dem Haus und plane entsprechend nichts Großes: Aus dem Zug raus, von München am Starnberger See entlang, an die Loisach und den Loisach-Radweg rauf bis Garmisch.
Gegen 5 Uhr geht's ab Leipzig Hbf los! Mein Zug ist pünktlich um 9:30 Uhr in München.
Nach 40 km durch den Forstenrieder Park bekomme ich in Tutzing ein herausragendes Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat am Starnberger See. Die Situation fühlt sich unwirklich an, 8 h zuvor noch verschlafen in Leipzig aus dem Bett gefallen und jetzt schön :-)
Um den Starnberger See herum rasen die Rentner auf ihren E-Bikes. Das hört sofort auf, sobald man vom See-Rundweg herunter ist.
Bei Murnau schaue ich mal ins Handy und stelle fest, dass die Hotels in Garmisch ganz schön teuer sind, dafür, dass ich Garmisch nicht übermäßig schön finde. Es gibt aber eine schöne Unterkunft auf dem Ettaler Sattel (869 m). Weil das Wetter passt, beschließe ich einen Umweg dorthin über das Murnauer Moos und Oberammergau.
Hinter Oberammergau wird das Tal der Ammer immer enger. Auf fast 900 m sind auch die Temperaturen angenehm.
Meine Übernachtung ist in einem kleinen Hotel hinter der Benediktinerabtei Ettal. Ettal liegt auch für die partielle Sonnenfinsternis perfekt in Ost-West-Richtung :-)
111 km und 999 Höhenmeter, max. Höhe 912 m, sonnig, 30 Grad, leichter bis mäßiger Wind.
Heute möchte ich über den Fernpass, ein Stück Inn-Radweg entlang und dann so weit wie möglich das Ötztal hinauf, damit es morgen aufs Timmelsjoch gehen kann, solange es noch kühl ist.
Flott rausche ich den Ettaler Sattel hinunter. Die Bundesstraße ist kaum befahren, der grobschotterige Radweg ist vom letzten Unwetter zerstört.
Das Loisachtal liegt noch im Schatten. Der pyramidenförmige Gipfel in Bildmitte müsste die Alpspitze (2.628 m) sein, das Massiv ganz rechts etwas zurückgesetzt die Zugspitze (2.962 m). Was für ein Anblick :-D
Den Fernpass (1.216 m) kenne ich noch nicht. Er hat aber einen ausgeschilderten Radweg und gefällt mir landschaftlich sehr gut.
Der Radweg ist eine überraschend harte MTB-Piste! Ich find's toll, allerdings wird meine Begeisterung nicht von jedem geteilt ;-)
Oben! Ein Passschild gibt's nur an der stark befahrenen Straße -- darauf kann ich verzichten ;-)
In Nassereith gibt's Backhendlsalat - bin zwar in Tirol und nicht in der Steiermark, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen :-D
Ziemlich flott bin ich am Inn. Ich will heute noch das Ötztal hinauf. Es ist 14:30, ich beschließe dass ich die 45 km und 800 Höhenmeter bis Sölden heute schaffe, und buche mir ein Hotel.
Der Ötztal-Radweg stellt sich als nicht allzu steiler Waldweg heraus. Fährt sich gut, und hat keinen Verkehr (außer den unvermeidlichen E-Bikern). Das letzte Mal habe ich bergab die Landstraße genommen, das ging schneller ;-)
Gegen 18:30 Uhr Sölden erreicht! Die letzten 5 km war der Radweg vom Unwetter weggerissen, sodass ich die Straße fahren musste. Um 18 Uhr ist da aber kaum noch Verkehr.
Mein Adults-Only-Hotel hat eine herausragende Küche! Ich frage nach dem interessantesten Dessert und bekomme einen Schoko-Zapfen, der mit Preiselbeeren gefüllt ist :-)
128 km und 1735 Höhenmeter, max. Höhe 1380 m, überwiegend sonnig, 29 Grad, leichter Nordwind.
Mal sehen, wie viel heute drin ist. Das Timmelsjoch schaffe ich auf jeden Fall. Danach komme ich vielleicht noch über den Jaufenpass bis Sterzing. Wenn mir das in der Hitze zu viel wird, kann ich aber auch eine Übernachtung in St. Leonhard in Passeier einlegen und den Jaufenpass morgen machen. Oder ich fahre einfach bis Meran durch -- da würde ich auch mal einen Stopp einlegen wollen.
Ich komme schön früh in der Kühle los. Die Lawinengalerien zum Timmelsjoch rauf haben einen Radweg -- sehr angenehm!
Verkehrsberuhigungsmaßnahmen nach Alpen-Art sorgen auch dafür, dass der Verkehr nicht unnötig schnell ist :-D
Hinter Obergurgl und Hochgurgl biegt die Timmelsjochstraße oberhalb der Baumgrenze in das Timmelstal ein.
Das Timmelsjoch ist schon hoch. Die lange Auffahrt oberhalb der Baumgrenze bei angenehmen Temperaturen ist ein Genuss!
Pünktlich zum Mittagessen 2.474 m! Im Passrestaurant gibt's erst einmal ein Gipfelbier und ein Tiroler Gröstl. Ich habe ab Sölden für 24 km und 1.256 Höhenmeter 2:39 h gebraucht, das lässt noch genug Zeit für den Jaufenpass :-)
Dazu muss ich erst einmal wieder bis St. Leonhard herunter ins Passeiertal. Die Steigungen sind schon ordentlich :-)
Ich finde eine schöne kleine, für den Verkehr gesperrte Straße am nördlichen Talhang, die über Stuls bis in eine Kurve der Jaufenpassstraße führt.
Die Auffahrt zum Jaufenpass (2.094 m) unterscheidet sich deutlich vom Timmelsjoch! Das da unten müsste St. Leonhard sein.
17 Uhr, perfekt für ein GEWALTIGES Stück Schokokuchen im Passrestaurant, das sogar den Latte-Macchiato-Becher überragt.
Jetzt nur noch Bremse auf und nach Sterzing hinunter, wo meine Unterkunft wartet!
Sterzing hat gerade Altstadtfest, komplett mit Blaskapelle und dicklichem Rennradfahrer als Photobomb ;-)
88,7 km und 2494 Höhenmeter, max. Höhe 2497 m, sonnig, 24 Grad, leichter bis mäßiger Nordostwind.
Ich möchte heute Abend unbedingt in Trient sein. Aber der Radweg entlang der Brennerautobahn taugt mir nicht. Ich nehme das mir unbekannte Penser Joch nach Bozen.
Zum Penser Joch (2.211 m) geht's hinter Burg Reifenstein hinauf.
Schnell (na gut, nicht allzu schnell) gewinne ich an Höhe. Tschüss Sterzing!
Bergauf kein Problem, aber bergab Kopf einziehen!
Blick vom Pass zurück auf die Auffahrt. Man sieht schön die Baumgrenze. Oberhalb ist's nicht so heiß, im Tal wieder 35 Grad.
Diesen fantastischen Kaiserschmarrn im Pass-Restaurant habe ich mir definitiv erarbeitet :-D
Jetzt geht es 45 km nur noch bergab bis Bozen.
Und zwar durch 21 Tunnel, einige anderthalb Kilometer lang. Das hier ist Nummer 19. Wenn der Linienbus im Tunnel über die durchgezogene Linie überholt, wird es ganz schön laut ;-)
Bozen ist heiß, voll und eher langweilig - rausche einfach durch, hab's mir schon beim letzten Mal angesehen.
Von Bozen aus sind's 60 km bis Trient. Der Gegenwind das Tal hinauf ist übel, aber ich finde zwei nette Rennradfahrer, die mich eine Stunde im Windschatten mitnehmen. Danach setze ich mich aber ab -- ich brauche eine Pause, für Geschwindigkeiten bis 35 km/h ist mein Reiserad mit Gepäck nicht gedacht ;-)
Gegen 18 Uhr bin ich im Hotel in Trient. Trinken oder duschen, keine leichte Entscheidung :-D
Ich weiß die Küche im Ca' dei Gobj schon von der letzten Übernachtung zu schätzen. Risotto mit Burrata und Scampi ist nicht mein einziger Gang -- an der Kasse fragt man mich dann beim Bezahlen "The table with two persons?" ;-)
Trient ist eine tolle Stadt! Werde hier gern nochmal einfallen.
133 km und 1383 Höhenmeter, max. Höhe 2216 m, heiter, 36 Grad, leichter Wind.
Es ist sehr heiß. Ich möchte heute Abend gern in Bassano sein, stelle aber fest, dass meine geplante Route 2600 Höhenmeter hätte -- ich entscheide mich kurzfristig um und nehme die SS349 / SP349. An einem Sonntag wird da wohl nicht viel Verkehr sein.
Die SS349 schraubt sich mit gemütlichen 5 % Richtung Asiago aus dem Etschtal, und die wenigen Autofahrer sind lieb. Macht Spaß!
Den Radweg unten am Lago di Caldonazzo hatte ich vor zwei Jahren wegen Regen genommen. Heute nicht, heute gibt's reichlich Höhenmeter bei herrlichem, wenn auch etwas warmem Wetter!
Auf der Straße hat es bis Asiago drei Pässe, den Valico della Fricca (1.083 m), den Passo del Cost (1.298 m) und den Passo Vezzena (1.417 m), also nichts wirklich Anstrengendes.
Mittagessen gibt's irgendwo hinter dem Passo del Cost. Da die Touristenschwärme anderswo unterwegs sind, kostet hier das fantastische Black-Angus-Entrecôte exakt so viel wie in Leipzig ein Schnitzel -- das bleibt auch nicht mein einziger Gang ;-)
Der hübsch gelegene, kleine Ort Asiago wird dominiert von einer gewaltigen Gedenkstätte zum 1. Weltkrieg.
Wo kommt denn jetzt das Gewitter her? Ich ändere direkt meine Pläne und fahre nicht direkt von Asiago nach Bassano, sondern nehme einen kleinen Umweg über Foza, um aus der Zugrichtung zu kommen.
Hehehe, 22 Kurven von Foza runter nach Valstagna. In Kurve 11 bin ich bei der Auffahrt vor 2 Jahren wegen Regens umgekehrt ;-)
Valstagna, schön, heiß, sonnig, kein Gewitter -- jetzt brauche ich nur noch der Brenta bis Bassano folgen.
Bassano ist ebenfalls eine meiner Lieblingsstädte. Abends trifft man sich auf der Holzbrücke über die Brenta am Grappa-to-go-Stand.
Mein historisches Hotel hat eine historische Tellersammlung. Besonders interessant ist der Dezember - das arme Schwein ;-)
Die Restaurantempfehlung vom Hotel ist Gold wert! Im Cardellino wacht Nonna über alles (und die Kasse), und die Küche ist fantastisch! Im Bild meine Vorspeise, ein sehr (!) würziger Mezzano-Käse, der in einer cremigen Polenta schmilzt. Bin sicher nicht das letzte Mal in Bassano, auch beim letzten Mal habe ich hervorragend gegessen!
113 km und 1729 Höhenmeter, max. Höhe 1426 m, sonnig, 34 Grad, leichter bis mäßiger Wind.
Heute möchte ich auf den Monte Grappa (1.745 m)! Und zwar die tolle Südauffahrt von Semonzo , 1.530 Höhenmeter bei 9,6 % durchschnittlicher Steigung -- zum Vergleich, das Timmelsjoch hat ab Sölden 1.261 Höhenmeter bei 5,6 % Steigung :-D
28 Serpentinen bis zum Mittagessen!
Hinter Kurve 13 starten Gleitschirmflieger. Denen reichen 700 m Höhe, mir nicht ;-)
Schon beinahe oben! Es ist 13 Uhr durch, ich bekomme Hunger.
Ah, da schimmert meine Einkehr zum Mittagessen durch die Wolke ;-)
Da ich in Bassano 10 km vor der eigentlichen Passauffahrt gestartet bin, habe ich sogar 1.659 Höhenmeter gesammelt und dafür 3:44 h gebraucht. Ein See geschmolzener Bergkäse, Polenta, Steinpilze und ein gegrilltes Steak kommen mir gerade recht. Italienische Landküche weiß, dass es auf Kalorien ankommt ;-)
Die Gedenkstätte ist ein sehr eindringlicher Ort, hier oben auf 1.775 m.
Diese Kühe haben eine fantastische Aussicht!
Damit es nicht heißt, ich würde nur Landschaft und Essen fotografieren... Die Blumen blühen hier überall ;-)
Auf der anderen Seite vom Monte Grappa ist die Wolke weg. Ich überlege, wie weit ich heute noch kommen werde. Der Aufstieg hat eine Menge Zeit gekostet, es ist schon 15:30 durch.
Oh, schon wieder ein Gewitter -- diesmal werde ich nass. Ich buche ein Hotel in Feltre (dasselbe wie beim letzten Mal, das war toll!) und nehme die winzige Straße nach Seren del Grappa, die ich eigentlich wegen 25 % Gefälle nicht fahren wollte.
Das Gewitter erwischt mich, als ich schon wieder ziemlich weit unten bin. Als Ergänzung habe ich einen Platten und muss den Schlauch im Regen wechseln ;-)
In Feltre ist's schon wieder schön. Feltre hat eine wunderschöne Altstadt auf einem Hügelrücken, unendlich viele Treppen (über die ich mich heute nicht so freue), und ich kenne eine Birreria mit fantastischem Essen!
Ist die Pizza "Glamour" mit Burrata, Oliven, Sardellen und eingelegten Tomaten immer noch fantastisch? Definitiv ja :-D
63 km und 2099 Höhenmeter, max. Höhe 1787 m, schweres Gewitter und Auflockerungen, 33 Grad, nahezu windstill.
Nachdem ich drei Tage Gewitterwolken gesehen bzw. gefühlt habe, entscheide ich mich gegen Salzburg und für den Brenner, weil ich hier in der Nähe einer Bahnlinie bin. Ein vorsichtiger Blick auf die Hotels in den Dolomiten zeigt Preise von über 300 EUR, also ist es da offenbar unfassbar überlaufen. Dann nehme ich halt den Passo Rolle, um wieder an die Etsch zu kommen, der ist schön.
Tschüss Feltre -- hier gilt genauso wie für Trient und Bassano: Ich komme wieder! (Dann vermutlich den Passo di San Boldo fahren)
Auch die SR50 hat zahlreiche Tunnel, zusätzlich auch dichten Verkehr. Zum Glück sind die Italiener sehr freundlich zu Radfahrern.
Bei den längeren Tunneln existiert noch die alte Passstraße, die man mit dem Rad als Umfahrung nutzen kann. Zwar ist die teilweise gesperrt, aber wenn sich die Einheimischen darum nicht kümmern, tue ich's auch nicht ;-)
Dass kurz vor Mezzano ein wunderbarer Radweg anfängt, ist mir sehr willkommen!
Vor den Aufstieg auf den Passo Rolle hat die Vorsehung eine Pizza gesetzt! Pizza Tirol mit Apfel, Speck und Käse!
Das letzte Mal habe ich den Radweg von Siror nach San Martino di Castrozza genommen. Der braucht 9 km für 700 Höhenmeter und ist weiter oben unfahrbar steil. Die Landstraße nimmt sich für denselben Anstieg 15 km bei 7 % Steigung und hat kaum Verkehr.
San Martino di Castrozza. Diese mittelalterlichen Eisenhütten sind mir wieder mehrmals begegnet.
Was für eine grandiose Strecke! Landschaftlich ist der Passo Rolle mit der Aussicht auf die Dolomiten ein echtes Highlight!
Gegen 16 Uhr komme ich oben an und falle direkt in einem schönen Café an der Straße ein ;-)
Die Abfahrt ist dann eher unspektakulär und geht bei dem geringen Verkehr sehr zügig.
Damit ich morgen den Brenner schaffe, möchte ich heute noch an die Etsch. Das heißt, ich habe noch einen Anstieg mit 400 Höhenmetern von Castello di Fiemme hoch zum Passo di San Lugano. Der Radweg nach oben ist schön, aber schwer zu finden.
Ab Passo di San Lugano führt die ehemalige Strecke der Fleimstalerbahn in vielen langen Kurven ins Etsch-Tal hinunter.
Inklusive mehrerer Kehrtunnel! Ich freue mich über brauchbares Licht am Rad ;-)
Die Bahnlinie bringt mich bis in die Weinberge oberhalb von Montan an der Südtiroler Weinstraße. Es ist 19 Uhr durch, ich verliere hier die Geduld mit den vielen Kurven auf Schotter, und suche mir eine Landstraße zum Nachtquartier ;-)
Vor dem 1-kg-Florentiner-Steak schrecke ich zurück, und werde auch vom Rumpsteak (plus Vorspeise und Dessert) satt ;-)
Warum ist dieses Schild nötig?!?! Ich frage den Service: Da sind Leute splitternackt vom Pool auf die Straße gelaufen ;-)
132 km und 2341 Höhenmeter, max. Höhe 1973 m, heiter und sonnig, 31 Grad, föhniger Wind.
Meine Entscheidung für den Brenner nimmt den Druck aus der Zeitplanung. Ich könnte in Brennero in die Bahn steigen, oder in Innsbruck, oder in Lenggries... Aber ich bin stur genug, die Runde bis München durchzuziehen, auch wenn der Brenner (1.370 m) keine Herausforderung ist, sondern eher die Geduld fordert. Mal sehen, wie weit ich komme, Hotels gibt's genug.
Bis Bozen bin ich hier schon vor ein paar Tagen durch, und insgesamt wäre es meine dritte Brenner-Überquerung. Wenn ich vor geistiger und körperlicher Unterforderung einschlafe, wird mich schon ein Rennradfahrer wecken ;-)
Es ist schon erstaunlich, wie viel Infrastruktur man hier in das enge Tal gequetscht hat! Durch Autobahn und Strada Statale ist der Verkehr allerdings die meiste Zeit recht laut.
Abgesehen von der Autobahn in Hörweite ist die Landschaft aber durchaus reizvoll!
In Brixen (ebenfalls eine meiner Lieblingsstädte) finde ich zielsicher ein tolles Restaurant. Als Vorspeise Saiblingstatar mit Birnenbällchen, als Hauptgang muss es in Tirol dann Knödel geben!
Hinter Brixen wird der Aufstieg zum Brenner dann schöner, weil der Radweg nicht mehr ganz so dicht an der Autobahn verläuft.
Hehehe, ich habe mich schon beim letzten Mal gefreut, dass das Streckenwärterhäuschen an Kilometer 232 der Brennerbahn mittlerweile bewirtschaftet ist. Der selbstgebackene Apfelstrudel ist fantastisch!
Den Brenner (1.370 m) erreiche ich gegen 18 Uhr. Mal sehen: Wenn die Landstraße nach Innsbruck voll ist, nehme ich die alte Römerstraße und buche mir ein Hotel in Igls. Wenn die Straße leer ist, rausche ich bis Innsbruck durch.
Die Landstraße ist leer, abgesehen von vielen Rennradfahrern! Ich buche mir ein Hotel in Innsbruck und fahre die 35 km vom Brenner bis Ortseingang Innsbruck in nur einer guten Stunde herunter :-D
Die besten Schlutzkrapfen, die ich kenne, gibt's im Altstadt-Schmankerl! Auch Innsbruck besuche ich nicht das erste Mal ;-)
Ein Blick auf das Goldene Dachl muss natürlich noch sein!
153 km und 1536 Höhenmeter, max. Höhe 1382 m, bewölkt, 24 Grad, leichter Wind.
Ich möchte heute so weit wie möglich isarabwärts unterkommen, vorzugsweise Bad Tölz, damit ich am Freitag noch ein sattes Zeitpolster bis München habe, um den Zug nach Hause sicher zu erwischen.
Das Wetter ist als unbeständig angekündigt. Solange ich mittags am Achensee bin und den stärkeren Anstieg hinter mir habe, soll's mir recht sein.
Hmm, die Berge am Inn-Radweg werden schon flacher... Das ist mir allerdings nicht recht ;-)
Ein Junge sitzt mit seinem Bollerwagen am Radweg und verkauft Steine, die er irgendwo gefunden hat. Das ist genau die Art schräges Erinnerungsstück, das ich gesucht habe - ich kaufe ihm einen hübschen Stein mit leuchtend blauen Einschlüssen ab :-)
Der Radweg von Jenbach zum Achensee hinauf ist über die Rodelbahn geführt und hat gut 16 % Steigung. Ich komme gegen 12 oben an und verspüre einen leichten Hunger ;-)
"Mit was möchten Sie Ihren Kaiserschmarrn?" -- "Mit allem was Sie haben" :-D
Aus meiner Einkehr sehe ich durch den mittlerweile einsetzenden Regen die Achenseebahn heraufschnaufen. Die hat zu kämpfen!
Regenradar sagt: Je schneller du nach Norden kommst, desto besser! Also nichts wie am Achensee vorbei Richtung deutsche Grenze. Ich grinse über die Bikepacker auf ihren Gravel-Bikes ohne Schutzbleche und mit Ultraleicht-Regenjäckchen ohne Kapuze ;-)
Über die Bundesstraße kommt man schnell an den Sylvensteinspeicher. Die Radroute führt auf losem Schotter zur Walchenklamm hinunter und wieder hinauf, und ist schwer zu fahren.
Ich hatte noch keine Tunnel heute ;-)
Isar-Auen vor Lenggries. Etwas nieselig, aber bis Bad Tölz werde ich schon trocken kommen.
Jedenfalls trocken genug. Auch im Kolberbräu nächtige ich nicht das erste Mal. Ich storniere meine Zugfahrt ab Salzburg und buche eine für Freitagnachmittag ab München.
Ich kann jetzt auch Topfenstrudel von meiner Fressliste abhaken :-)
102 km und 691 Höhenmeter, max. Höhe 962 m, bewölkt und regnerisch, 21 Grad, leichter Wind.
Die Wettervorhersage sagt einen halben Weltuntergang (15 l/qm) ab Mittag voraus. Das heißt, ich stürme gemeinsam mit sämtlichen E-Bikern im Hotel um Punkt 7:30 den Frühstücksraum und will los ;-)
Auf das E-Biker-Gedränge am Isar-Radweg (der Hauptroute München-Venedig) habe ich nicht die mindeste Lust, und suche mir eine eigene Route. Das ländliche Bayern ist schön, aber auch schön flach.
Letzter Blick auf die Alpen: Tschüss, Bad Tölz!
Das Klosterbräustüberl Reutberg öffnet erst um 10 -- möglicherweise mein Glück. Ich komme so gut voran, dass ich mir noch eine Fahrradreservierung für den Zug um 12:48 ab München hole ;-)
Der möglicherweise schmalste Weg nach München? Ich war schon ein paar Mal dort; zum Hauptbahnhof kommt man am besten, wenn man durch den Perlacher Forst an die Isar fährt und ihr bis zur Wittelsbacher Brücke folgt.
Noch ein Leberkäs und zwei Bier im Rechthaler Hof, dann bin ich bereit für die Deutsche Bahn!
58,6 km und 378 Höhenmeter, max. Höhe 755 m, wechselnd bewölkt mit Schauern und Regen, 23 Grad, leichter Wind.
Insgesamt war ich an 10 Tagen 1.100 Kilometer bei 15.385 Höhenmetern unterwegs. Damit komme ich lustigerweise fast auf die gleichen Daten wie 2022, als ich von München über die Großglockner-Straße zum Baden nach Grado und über Villach und Salzburg zurück nach Rosenheim gefahren bin. Interessante Alpenquerungen brauchen offenbar 15.000 Höhenmeter und 10 Tage. Das Wetter war in den ersten zwei Dritteln der Tour außergewöhnlich heiß, mit stickigen 36 Grad in den Alpentälern. Das hat das Fahren nicht einfacher gemacht. Gegen Ende wurden dann die Gewitter häufiger und die Temperaturen niedriger.
Es wird langsam schwieriger, unbekannte Strecken zu finden. Auf der anderen Seite hat es mir aber auch sehr gefallen, Trient, Bassano, Feltre, Brixen und Innsbruck wiederzusehen, die ich sehr schätze. Auch den Passo Rolle und das Timmelsjoch bin ich gern zum zweiten Mal gefahren. Der Brenner ist eher ein Pass für Sture: Der Radweg mit seinen engen Kurven, Stoppschildern und Unterführungen zwingt zwischen Bozen und Sterzing zu ständigen Lastwechseln und fährt sich nicht gut. Dafür war der Monte Grappa genau das Highlight, auf das ich gehofft hatte!
Ansonsten ist mir noch aufgefallen, dass außerhalb der klassischen Radroute München-Venedig keine Reiseradler zu sehen waren. Und die meisten Reiseradler waren mit leichten Gravel-Bikes, Arschrakete und Ultraleicht-Zeugs unterwegs, das für einen Gewitterguss in den Alpen definitiv nicht das Richtige ist. Die E-Biker, gerne in fortgeschrittenem Alter und mit geringen Fahrkünsten, werden immer mehr, aber beschränken sich auf wenige touristische Hotspots, die ich sowieso eher meide. Ach ja, und im direkten Vergleich zu den letzten Jahren hat die Inflation bei den Hotelpreisen gewaltig zugeschlagen. Ich habe für ähnliche Hotelzimmer diesmal gut 25% mehr gezahlt als noch vor zwei, drei Jahren.