Novembertour Franken 2023

Wegen eines Feiertags bekomme ich ein paar Tage am Stück zum Radfahren frei. Der Wetterbericht für ganz Deutschland ist allerdings konstant schlecht. Angekündigt sind Temperaturen zwischen 0 und 8 Grad, jeden Tag literweise Regen und Sturmböen. Wo fährt man da hin? Franken! Wegen des Wetters ist meine Idee eine Art Zickzack-Kurs, der sich bei schlechtem Wetter jederzeit zu einer geraden Linie zum Bahnhof nach Nürnberg abkürzen lässt.

Meine Reiseroute ist hier dargestellt. Die gelben Punkte zeigen meine Übernachtungsorte an.

Die Zugfahrt war mal wieder lästig, mit 50 Minuten Verspätung. Zum Glück kann ich die Stunde daheim vertrödeln, weil mir die App das schon beim Frühstück ankündigt. Wie schafft es ein Mäusebussard, einen ICE in Hamburg fast eine Stunde aufzuhalten?

Samstag

In Bamberg um 13 Uhr aus dem Zug: *brrr* kalt. Der Wetterbericht sagt 2 Grad, mein Thermometer am Rad zeigt 4. Ich habe Hunger und steuere ein Brauhaus an. Die ersten zwei sind randvoll mit Touristen, also ist wieder meine Lieblingseinkehr in Bamberg dran.

Das Schäufela im Sternla wird jedes Jahr besser. Franken empfängt mich ganz genau so, wie ich mir das vorgestellt habe :-)

Plan für den Nachmittag: Das Tal der Lauter rauf bis Königsberg, dann nach Haßfurt runter. Die Landschaft gefällt mir sehr!

Kirchlauter hat ein wunderschönes, gut gepflegtes Wasserschloss.

Das Wetter spielt soweit mit. Auf den Straßen begegne ich auf 30km einem kleinen Fiat und einem Traktor, sonst gehört sie mir allein :-)

Königsberg ist eine Überraschung. Es gibt eine kleine Burg und eine toll gepflegte Altstadt. Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich eher hier eine Übernachtung gesucht als in Haßfurt.

In Haßfurt empfängt mich die Wirtin meiner Unterkunft in Badelatschen und Bademantel -- bin leicht irritiert, aber legt sich rasch ;-)
Immerhin bekomme ich eine Empfehlung für eine Weinstube, die eine super Brotzeit macht!

Hier hat gerade das Weihnachtsdorf geöffnet, dabei ist noch nicht einmal Dezember. Ich höre bei Glühwein einem Goth zu, wie er stimmungsvoll California Dreamin' singt -- gefällt mir hier :-)

55km und 480 Höhenmeter, Maximalhöhe 481m, 4-8 Grad, kalt und bedeckt.

Sonntag

Ich erwache mit einem Kater (an dem ich den zwei Tassen Glühwein die Schuld gebe), und steuere erst mal über den Main. Ich will zum Mittagessen in Volkach sein, und Abends in der Nähe von Nürnberg.

Zwei oder drei Kilometer abseits meiner Route gibts starken Regen, aber ich habe Sonne.

Pünktlich erreiche ich das Hinterhöfle in Volkach, meine Lieblingseinkehr hier. Weil ich nicht jedes Jahr dasselbe essen kann, bestelle ich diesmal eine halbe Ente. Dieses knusprige Riesenvieh soll eine Ente sein? Dagegen wäre ein Schäufela ein leichtes Sommergericht. Damit der Gast auch wirklich satt wird, hat die sehr leckere Ente eine würzige Hackfleischfüllung -- die können kochen, die Franken! :-)

Als nächstes steuere ich über Abtswind in den Steigerwald und sehe zu, dass ich nicht in Richtung der Regenzellen fahre.

Das klappt soweit, naß sind nur die Straßen. Der Wetterbericht für morgen ist allerdings verheerend. Darum suche ich mir ein Quartier in Neustadt an der Aisch und sehe zu, dass ich heute noch Strecke mache.

Ein paar mal fahre ich Umwege, weil Fahrradunterführungen geflutet sind. Auch die Steinach ist sehr, sehr voll.

In Neustadt stelle ich zu meiner großen Freude fest, dass gerade Aischgründer Karpfenschmeckerwochen sind, und die "Sonne" 100m oberhalb vom Markt einen super Pfefferkarpfen zaubert! Das man die knusprigen Flossen mitessen kann, werde ich aber erst morgen erfahren ;-)

105km und 900 Höhenmeter, Maximalhöhe 417m, 9-14 Grad, Regenzellen.

Montag

Kein Kater heute, offenbar waren die Getränke in Neustadt wesentlich besser. Der Vormittag startet nieselig, aber das legt sich rasch. Wegen des kräftigen Windes fahre ich erst mal nach Osten.

Zu Mittag gibts diesmal ein gebackenes Karpfenfilet in Hüttendorf. Ich bin von den Karpfen sehr angtan -- die schmecken duraus nicht modrig, und das Fleisch ist lecker, nicht wabbelig. Man weiß hier halt, wie's geht :-)

Am frühen Nachmittag erreiche ich die Kleinstadt Cadolzburg.

Die gleichnamige Cadolzburg ist sehr gepflegt. Irgendwann will ich hier mal ins Museum, aber nicht heute.

Eigentlich dachte ich an eine Übernachtung in Schwabach. In dieser Richtung sind aber jetzt kurz vor Feierabend jede Menge Autos unterwegs. Darum entscheide ich mich um, und buche ein Zimmer in Dietenhofen. Der Weg über Rüttelsdorf, Hornsegen, Seubersdorf ist ein Radfahrertraum!

Das Hotel hat entschieden, dass ich heute nach Magnolie dufte ;-)

Dafür ist die Küche kreativ. Schäufela-Sticks mit Senfschaum hatte ich noch nicht. Der Burger zum Hauptgang war gewaltig und lecker, und den Kaiserschmarrn zum Dessert habe ich noch nie so toll angerichtet gesehen. Als ich damit fertig bin fragt der Chef, ob ich noch Pommes verkosten möchte -- der Koch macht sie selbst und experimentiert gerade mit unterschiedlichen Kartoffelsorten. Die Einkehr bekommt einen Wegpunkt im Navi, hierher komme ich definitiv wieder! :-)

49km und 590 Höhenmeter, Maximalhöhe 419m, 8-12 Grad, wolkig.

Dienstag

Heute habe ich noch einen ganzen Radeltag. Morgen müsste ich mit dem Zug wieder nach Hause. Als erstes nehme ich mir Festung Lichtenau und den Altmühlsee als Ziel. Vielleicht kann ich auf Burg Abenberg übernachten? Das Wetter sieht aber nicht allzu gut aus, darum buche ich noch nichts.

Festung Lichtenau erreiche ich im Regen. Die Festung gehörte den Nürnberger Burgherren, was am Design nicht zu übersehen ist ;-)

Das Wetter sieht nicht aus, als ob es besser werden möchte. Darum suche ich schon kurz vor 11 nach der nächsten Einkehr. In der Hoffnung, dass es dort so etwas gibt, steuere ich Wolframs-Eschenbach an.

Auf dem Weg überlege ich die ganze Zeit, woher mir Wolframs-Eschenbach ein Begriff ist. Ach ja richtig, schöne Altstadt!

Nicht nur die Altstadt ist schön, auch mein Essen! Im Bild dreierlei vom Apfel, also Apfelkompott, Apfeleis und Apfel-Brownie. Sehr lecker, und der Regen hat danach auch aufgehört :-)

Auf Altmühlsee Ende November habe ich dann doch keine Lust. Dafür sieht der Radweg an der Rezat einladend aus. Am Wegesrand sieht man von Zeit zu Zeit Spuren hungriger Biber.

Abenberg kommt in Sicht. Auf dem Burghof beschließe ich, dass ich heute noch direkt nach Nürnberg durchfahren kann. Da die Wetterprognose stetig schlechter wird, lohnt eine Extra-Übernachtung so kurz vor Nürnberg nicht recht. Für eine Übernachtung im Hausturm der Burg ist es auch zu früh ;-)

Südlich von Schwabach fangen die Kiefernwälder an. Das heißt, Nürnberg ist nicht mehr weit. Was wohl der Künstler mit dieser Instalation bei Rednitzhembach sagen wollte? Es sind schon Meister vom Himmel gefallen?

Bei Wendelstein erreiche ich den Ludwig-Donau-Main-Kanal, und fahre versehentlich bis Feucht in die falsche Richtung.

Darum komme ich ungeplanterweise über Nürnberg-Langwasser und nicht über Nürnberg-Hafen. Aber wenn ich schon mal in Langwasser bin, kann ich auch beim Werksverkauf von Schmidt anhalten, die haben die besten Nürnberger Lebkuchen! :-)

Nürnberg erreicht! Selbstverständlich hat mein Zug wieder über eine halbe Stunde Verspätung, wegen Reparatur an der Strecke und Reparatur am Zug. Die Wartezeit lässt sich jedoch ausnutzen.

103km und 830 Höhenmeter, Maximalhöhe 471m, 6-8 Grad, Nieselregen.

Abschluss

Insgesamt war ich von Samstag Mittag bis Dienstag Abend 330km und 2800 Höhenmeter unterwegs. Meine Route war sehr wenig geplant, weil die Wetterprognose außerordentlich schlecht war. Das ich mit dem Wetter am Ende Glück hatte, war dann eine glückliche Fügung. Die Tour hat jedenfalls sehr gut funktioniert. Obwohl oder vielleicht gerade weil ich die Gegend mittlerweile gut kenne, habe ich auf der einen Seite neue Orte gesehen, auf der anderen Seite aber auch bekannte, tolle Einkehren angesteuert und keine Mühe gehabt, schöne, abgelegene Ecken zu finden, wo das Radfahren auch im November Spaß macht! Sehr gefallen haben mir die kreative, fränkische Küche in der Moosmühle, die Karpfenschmeckerwochen im Aischtal, und die Altstädte von Königsberg und Wolframs-Eschenbach, die ich noch nicht kannte :-)

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